Projektgärten
Neuer Garten-Campus in Görlitz fertiggestellt: Klimaanpassung zum Anfassen im Kleingartenverein „Diesterweg“ e.V. Görlitz.
In der Görlitzer Südstadt ist ein neuer Lern- und Begegnungsort für Klimaschutz, Artenvielfalt und nachhaltiges Gärtnern entstanden. Im Kleingartenverein „Diesterweg“ e.V. wurde im Rahmen des deutsch-polnischen Projektes PROADAPT, Klimafreundliches Grenzgebiet ein Lehr- und Schaugarten mit „Grünem Klassenzimmer“ fertiggestellt. Der sogenannte Garten-Campus Görlitz zeigt anschaulich, wie Anpassung an den Klimawandel im Alltag gelingen kann, praktisch, verständlich und direkt vor Ort.
Träger des Vorhabens in Görlitz ist die Soziales Arbeitsprojekt Ostsachsen gGmbH, kurz SAPOS. Auf einer ehemals brachliegenden Parzelle von rund 680 Quadratmetern ist in den vergangenen Monaten ein vielseitig nutzbarer Bildungs- und Demonstrationsgarten entstanden. Die Fläche wurde renaturiert, hergerichtet und in einen Ort verwandelt, an dem Natur, Umweltbildung und praktisches Handeln miteinander verbunden werden.
Der Garten-Campus dient künftig als Informationsstätte für Schulen, Kleingärtnerinnen und Kleingärtner, Familien sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. Im Mittelpunkt stehen Themen, die angesichts des Klimawandels immer wichtiger werden: der sparsame Umgang mit Wasser, der Schutz der Artenvielfalt, die Nutzung erneuerbarer Energien, nachhaltige Bewirtschaftung kleiner Gartenflächen und die Bedeutung innerstädtischer Grünräume.
Mit dem fertiggestellten Lehr- und Schaugarten wird sichtbar, dass Klimaanpassung nicht nur eine Aufgabe großer Konzepte und politischer Entscheidungen ist. Sie beginnt auch im Kleinen: im Garten, im Quartier, auf Grünflächen und überall dort, wo Menschen bereit sind, Natur bewusster zu nutzen und zu schützen. Der Garten-Campus Görlitz macht genau das erlebbar.
Aus Brachfläche wird Bildungsort
Zu Beginn des Projektes zeigte sich die Parzelle noch als ungenutzte, verwilderte Fläche. Alte Platten, zugewachsene Wege, Grünschnitt, ungenutzte Baustrukturen und verschiedene Altlasten prägten das Bild. Schritt für Schritt wurde das Gelände gesichert, beräumt und neu gestaltet. Wege wurden freigelegt, Unkraut und Wildwuchs beseitigt, alte Materialien sortiert, vorhandene Elemente aufgearbeitet und die Fläche mit Muttererde vorbereitet.
Auch die vorhandene Laube wurde instandgesetzt. Alte Pflanzsteine wurden nicht entsorgt, sondern sinnvoll weiterverwendet und unter anderem für ein Kräuterbeet genutzt. Damit zeigt der Garten-Campus bereits in seiner Entstehung einen zentralen Gedanken des Projektes: Ressourcen schonen, Bestehendes nutzen und nachhaltige Lösungen im direkten Umfeld umsetzen.
Heute präsentiert sich die Fläche als neu gestalteter Lehr- und Schaugarten, der verschiedene Themenbereiche miteinander verbindet. Besucherinnen und Besucher können sich vor Ort informieren, wie Kleingärten klimaangepasst gestaltet werden können und welchen Beitrag sie für Stadtklima, Artenvielfalt und Umweltbildung leisten.
Grünes Klassenzimmer für Schulen und Gruppen
Ein besonderer Bestandteil des Garten-Campus ist das „Grüne Klassenzimmer“. Es bietet Raum für Workshops, Projekttage, Informationsveranstaltungen und praktische Lernangebote. Schülerinnen und Schüler können hier Natur nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern direkt erleben. Auch Kleingärtnerinnen und Kleingärtner sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit, sich über konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung zu informieren.
Die Themen reichen von Regenwassermanagement über Kompostierung bis hin zu erneuerbaren Energien und naturnaher Gartengestaltung. Auch der Erhalt alter Obstsorten, das Anlegen von Wildblumenwiesen, der Bau von Insektenhotels sowie die Bedeutung von Stein-, Sand- und Totholzstrukturen für Wildbienen, Eidechsen und andere Tiere werden vermittelt.
Damit ist der Garten-Campus nicht nur ein Ort zum Anschauen, sondern vor allem ein Ort zum Mitmachen. Die Besucherinnen und Besucher sollen Anregungen erhalten, die sie im eigenen Garten, auf dem Balkon, im Schulumfeld oder in gemeinschaftlich genutzten Grünflächen umsetzen können.
Wasser, Sonne, Kompost und Artenvielfalt.
Ein Schwerpunkt des fertiggestellten Garten-Campus liegt auf dem bewussten Umgang mit Regenwasser. Gerade trockene Sommer und zunehmende Wetterextreme zeigen, wie wichtig es ist, Wasser aufzufangen, zu speichern und gezielt einzusetzen. Im Lehr- und Schaugarten wird gezeigt, wie Regenwasser zur Versorgung von Pflanzen, Sträuchern und Bäumen genutzt werden kann. Damit wird wertvolles Trinkwasser geschont.
Auch solare Bewässerung und autarke Stromversorgung spielen eine wichtige Rolle. Der Garten-Campus zeigt beispielhaft, wie Sonnenenergie in Kleingärten genutzt werden kann, etwa für Beleuchtung, kleine Geräte oder Wasserpumpen. Besonders dort, wo keine feste Stromversorgung vorhanden ist, können solche Lösungen eine sinnvolle Alternative sein.
Ein weiterer Themenbereich ist die Kompostierung. Besucherinnen und Besucher erfahren, wie organische Gartenabfälle in wertvollen Humus verwandelt werden können und warum Kompost ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Gartenbewirtschaftung ist. Auch naturnahe Lebensräume wurden geschaffen: Stein- und Totholzhaufen, Wildblumenflächen und insektenfreundliche Strukturen bieten Tieren Schutz, Nahrung und Lebensraum.
Kleingärten als wichtige Orte für Stadtklima und Gemeinschaft
Der Garten-Campus macht deutlich, welche Bedeutung Kleingärten für Städte haben. Sie sind nicht nur Orte der Erholung, sondern auch wichtige grüne Inseln im urbanen Raum. Sie speichern Wasser, spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und bieten Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Gerade in Zeiten zunehmender Flächenversiegelung sind solche Grünflächen von großem Wert.
Darüber hinaus stärken Kleingärten das soziale Miteinander. Menschen verschiedener Generationen kommen zusammen, tauschen Erfahrungen aus und gestalten gemeinsam ihre Umgebung. Der Garten-Campus im Kleingartenverein „Diesterweg“ greift diesen Gedanken auf und erweitert ihn um einen Bildungsauftrag. Er zeigt, wie gemeinschaftliches Gärtnern, Umweltbildung und Klimaanpassung zusammenwirken können.
Teil eines deutsch-polnischen Projektes
Der Garten-Campus Görlitz ist Teil des Projektes PROADAPT, Klimafreundliches Grenzgebiet, Unterstützung bei der Entscheidungsfindung zu Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel. Ziel des Projektes ist es, die Grenzregion dabei zu unterstützen, besser mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. Dabei sollen lokale Verwaltungen, Einrichtungen und Bewohnerinnen und Bewohner einbezogen werden. Auch der Austausch bewährter Verfahren und gemeinsamer Lösungen zwischen deutschen und polnischen Partnern spielt eine zentrale Rolle.
Leadpartner des Projektes ist das Institut für Meteorologie und Wasserwirtschaft, Nationales Forschungsinstitut, Niederlassung Wrocław, Abteilung für regionale Forschung. Weitere Projektpartner sind die Fundacja Ekologiczna „Zielona Akcja“, die Fundacja Natura Polska sowie die SAPOS gGmbH in Görlitz.
Das Projekt wird durch die Europäische Union aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Kooperationsprogramms INTERREG Polen-Sachsen 2021–2027 gefördert. Die Projektlaufzeit reicht vom 1. April 2024 bis zum 31. März 2027. Die Gesamtausgaben betragen 1.221.230,12 Euro, davon entfallen 971.404,87 Euro auf die EFRE-Förderung.
Erste Workshops zeigen praktischen Nutzen
Bereits während der Umsetzungsphase fanden erste Workshops und Bildungsangebote statt. Dazu gehörten unter anderem Angebote für Kinder und Jugendliche, bei denen mit Naturstoffen gearbeitet, Naturfotografie ausprobiert und erneuerbare Energien praktisch erklärt wurden. Ein Beispiel war der Bau eines Teilstücks eines Holzzauns mit Naturmaterialien. Solche Angebote zeigen, wie Umweltbildung lebendig und handlungsorientiert gestaltet werden kann.
Mit der Fertigstellung des Garten-Campus können diese Aktivitäten nun direkt im Kleingartenverein „Diesterweg“ weitergeführt und ausgebaut werden. Der neue Lernort bietet dafür ideale Voraussetzungen: Natur, Anschauungsmaterial und praktische Arbeitsmöglichkeiten befinden sich an einem Ort.
Anmeldung für Besuchergruppen erforderlich
Der Garten-Campus befindet sich im Kleingartenverein „Diesterweg“ e.V. am Biesnitzer Fußweg in Görlitz. Da die Plätze bei Veranstaltungen und Führungen begrenzt sind, wird um vorherige Anmeldung gebeten.
Interessierte Schulen, Vereine, Kleingärtnerinnen und Kleingärtner sowie Bürgergruppen können sich an die Soziales Arbeitsprojekt Ostsachsen gGmbH wenden. Kontakt ist telefonisch unter +49 (0)3581 318890 oder per E-Mail an sapos@sapos-goerlitz.de möglich.
Weitere Informationen zum Gesamtprojekt gibt es unter www.proadapt.info.
Mit dem fertiggestellten Garten-Campus ist in Görlitz ein praxisnaher Lernort entstanden, der Klimaanpassung, Umweltbildung und soziales Engagement miteinander verbindet. Aus einer brachliegenden Kleingartenparzelle wurde ein lebendiger Ort, der zeigt: Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel beginnen dort, wo Menschen gemeinsam handeln – direkt vor der eigenen Haustür.

















